Wenn es wieder läuft: Kotwasser am Ende der Weidesaison – Teil 1

Mit dem Ende der Weidesaison beginnt bei vielen Pferden wieder die Kotwassersaison. Während das Pferd bei Durchfall Kuhfladen-ähnliche Haufen absetzt, sind bei Kotwasser die Pferdeäpfel geformt.

Aber während oder nach dem Kotabsetzen oder auch völlig unabhängig davon, wird braune Flüssigkeit abgesetzt. Kotwasser ist sauer und damit aggressiv gegen die Haut. Wäscht man das Pferd nicht regelmäßig, so ist das nicht nur optisch unschön, sondern kann auch zu Haut erkrankungen im betroff enen Bereich führen. Gerade im Winter stellt damit Kotwasser natürlich ein Problem dar, da man  einem Pferd bei Minusgraden nur ungern Schweif und Hinterhand wäscht.

677056_original_R_by_Mandy Graupner_pixelio.de

Entzündungen werden meist verursacht durch Fehlgärungsprozesse im Dickdarm. Die Ursachen sind entweder in den Haltungs- oder den Fütterungsbedingungen zu suchen. So konnte in einer Studie gezeigt werden, dass Stress allein schon ausreicht, um Kotwasser auszulösen. Stress führt zu einer verringerten Durchblutung der Darmschleimhaut. Das verlangsamt die Peristaltik und so kann es zu Fehlgärungen kommen.

Aber auch der Aspekt Fütterung spielt eine große Rolle. Unverträgliche Futtermittel wie Heulage, Silage oder Maissilo spielen hier ebenso eine Rolle wie „Strukturmüslis“. Silierte Futtermittel tragen einen großen Anteil von Milchsäurebakterien in den Dickdarm ein, die dort bei einem gesunden Pferdedarm nicht vorkommen. Sie produzieren Milchsäure, die den Darm ansäuert. Dadurch sterben natürliche Darmsymbionten ab und der ganze Fermentierungsprozess läuft aus dem Ruder.

Gehäckseltes Raufutter, wie es in Strukturmüslis, getreidenfreien Müslis oder Kräutermüslis verwendet wird, verlangsamt die Peristaltik ebenfalls, da es in der Regel nicht gründlich gekaut wird. Jede Störung der Verdauungsgeschwindigkeit kann zu Fehlgärungen führen. Bei diesen Fehlgärungsprozessen entstehen in großem Stil flüchtige Fettsäuren, vor allem Essigsäure, Buttersäure und Propionsäure. Diese greifen nachweislich die Darmschleimhäute an. Es kommt zu Entzündungen der Darmschleimhäute und damit weiterer Störung des normalen Verdauungsprozesses.

Bleiben die Entzündungen über einen längeren Zeitraum bestehen, lockern sich die Zellverbände der Darmschleimhaut und es entstehen „Löcher“, die vom ohnehin schon überlasteten Immunsystem nicht ausreichend repariert werden können. Durch solche Löcher kann es zum Einsickern von Lymphflüssigkeit in den Darm kommen, das wir optisch als Kotwasser sehen.

Auch wenn die ursprüngliche Ursache schon lange zurück liegt, zum Beispiel ein Winter mit Heulagefütterung vor drei Jahren, kann die Verdauung heute noch gestört sein. Da hilft dann oft auch die perfekte Fütterung und Haltung zunächst nicht viel. Denn kommt es erst einmal zu einem massiven Besatz des Darms mit den falschen Keimen, so kommen die
Pferde häufig aus dem Teufelskreis aus Darmstörung und Kotwasser nicht mehr von alleine heraus.

Auch wenn Ihr Pferd nur in bestimmten Situationen, zum Beispiel beim Verladen oder wenn der Schmied kommt mit Kotwasser reagiert, oder wenn es nur im
Winter auftritt, spricht das für bereits bestehende Verdauungsprobleme im Dickdarm.

Diagnostisch sind solche Fehlgärungen nachweisbar über den Indikan-Wert. Fordern Sie hierfür ein Urinröhrchen beim Labor an (z. B. www.sension-gmbh.de) und lassen Sie den Indikan-Wert bestimmen.

Ist dieser bei 0, dann läuft der Fermentierungsvorgang im Dickdarm normal. Ist er bei 1, sollte die Fütterung optimiert und der Darm gegebenenfalls mit naturheilkundlichen Mitteln unterstützt werden, damit die Fermentierungsprozesse sich schnellstmöglich wieder stabilisieren.

Liegt der Indikan-Wert zwischen 2 und 4, dann sind deutliche Veränderungen in der Fütterung und eventuell der Haltung angezeigt sowie den Darm sanierende Maßnahmen. Hier muss mit längeren Therapiezeiten gerechnet werden, weil häufig auch neben dem Kotwasser schon andere erste Symptome auf eine Entgleisung von Stoffwechselprozessen hinweisen.

Gerne unterstützen wir Sie hier mit einem für Ihr Pferd passenden Fütterungsplan und empfehlen auf Ihr Pferd abgestimmte, unterstützende Maßnahmen.

Bitte kontaktieren Sie uns unter futterberatung@sanoanimal.de

Neben dem Indikan-Wert sollten Sie uns ausführlich die „Geschichte“ Ihres Pferdes mitteilen: Haltungs- und Fütterungsbedingungen der letzten Jahre, Krankheitsgeschichte und auch die sozialen Interaktionen mit den Artgenossen, da hier viel Potential für Stress-Kotwasser liegt. Eine Übersicht der Informationen, die wir generell benötigen, finden Sie hier.

 

TEIL 2 DES BLOGS WIRD IN DEN NÄCHSTEN TAGEN GEPOSTET.

 

Foto: Mandy Graupner/pixelio.de

2 Gedanken zu „Wenn es wieder läuft: Kotwasser am Ende der Weidesaison – Teil 1

  1. Hallo, wie sieht es denn mit Stroh aus? Lieber lange Halle füttern oder Häcksel? Ein anderer Futterberater empfiehlt Strohhäcksel. Aber ist das nicht für die Verdauung der Pferde identisch mit anderen gehäckselten Raufuttern 🤔

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.