Was ist besser für mein Pferd: organische oder anorganische Mineralstoffe?

Wenn es um Mineralfutter geht, kommt es immer wieder zu Fehlinformationen und Missverständnissen. Man sollte hier ein paar Dinge auseinander halten:

Anorganische Mineralstoffe sind Mineralien, die an anorganische Ionen (Oxide, Sulfate) gebunden sind.

Organische Mineralstoffe sind solche, die an organische Moleküle (meist Aminosäuren, genannt Chelate) gebunden sind.

Anorganische ebenso wie organische Mineralstoffe, die im Futtermittelbereich als Zusatzstoffe verwendet werden, werden allesamt synthetisch hergestellt. Organisch hat zunächst mal nichts damit zu tun, dass es aus einer natürlichen Quelle stammt und anorganisch nichts damit, dass es synthetisch wäre.

In der Natur kommen sowohl anorganische als auch organische Verbindungen vor. Auch in Pflanzen findet man beide Formen. Allerdings ist der Mineralanteil in Pflanzen zu gering, um Pferde ausschließlich pflanzlich mit Mineralstoffen zu versorgen.

Auch Wildpferde nehmen Mineralstoffe in mineralischer (also nicht-pflanzlicher) Form auf nämlich an Leckstellen, die sie gezielt aufsuchen und dort den Erdboden fressen. Man hat diesen Erdboden untersucht und festgestellt, dass diese Erde hochgradig angereichert ist mit Mineralien und Spurenelementen.

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Bei unserer Fütterung ist die Mineralversorgung ausschließlich durch das Grundfutter (Heu, Weidegras) in der Regel nicht ausreichend. Also muss Mineral zugefüttert werden.

Sowohl organische als auch anorganische Mineralstoffe, die dem Futter zugesetzt werden, sind alle synthetisch hergestellt. Dabei können verschiedene chemische Formen unterschiedlich gut verstoffwechselt werden.

Für Zink gilt beispielsweise: Zinkoxid (anorganisch) ist etwa 10-20% bioverfügbar. Zinksulfat (anorganisch) ist etwa 50-65% bioverfügbar. Zinkchelat (organisch) ist etwa 80-95% bioverfügbar. Das gilt aber nur, wenn diese Mineralstoffe _einzeln_ gefüttert werden. In dem Moment, wo man eine Mischung füttert, in der z.B. Zink und Kupfer enthalten sind, sinkt in dem Fall die Zinkverfügbarkeit ohnehin schon um 50%, da Zink und Kupfer um dieselben Eintrittsstellen im Darm konkurrieren. Aus diesem Grund werden in der Regel auch Mengen, die weit über dem Tagesbedarf liegen, den Futtern zugesetzt, damit am Ende die passende Menge im Pferd landet, denn der Rest verbleibt im Darm. 

Füttert man jetzt ein Futter, das ausschließlich organisch gebundene Mineralstoffe enthält, so sind diese synthetisch hergestellt! Diese Mineralstoffe sind aber nicht so gut bioverfügbar, wie man denkt.

Der Grund ist die Konkurrenz der verschiedenen Mineralstoffe und Spurenelemente. Dazu kommt, dass organische Mineralstoffe sehr teuer sind, die Hersteller daher die Dosierung von vornherein schon deutlich herabsetzen, um preislich attraktiv zu bleiben. Damit kommt nochmal weniger im Stoffwechsel des Pferdes an.

Und da diese Chelate allesamt scheusslich schmecken, müssen entsprechende Geschmacksstoffe (Apfeltrester, Sirup, Zucker, Grünmehle und ähnliches) zugesetzt werden, damit die Pferde das „organische Mineralfutter“ fressen. 

Anorganische Mineralstoffe werden von Pferden geschmacklich deutlich besser akzeptiert und können auch ausreichend verstoffwechselt werden, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Im Gegenteil hat man bisher auch für einige organische Mineralstoffe (z.B. Selen) festgestellt, dass die hohe Bioverfügbarkeit von Chelaten in der Praxis mehr schaden als nutzen kann, da der Körper überschüssige Mineralstoffe dann auch nicht mehr adäquat ausscheiden kann.

So geht man heute davon aus, dass es zu einer massiven Selenanreicherung* im Gewebe bis hin zur chronischen, subklinischen Vergiftung kommen kann, wenn man organisches Selen füttert.

mineral_konzentrat_gsAufgrund der Verwendung von anorganischen Mineralstoffen und dem Verzicht auf diverse (teilweise wohlschmeckende) Trägerstoffe empfehlen wir OKAPI Mineralfuttern.

Diese enthalten diese keine „Aromastoffe“ und die Pferde nehmen die Mineralfutter nur nach Bedarf auf – man imitiert also die Mineral-Leckstellen der Wildpferde.

Daher lautet unsere Empfehlung auch, das Futter „nach Bedarf“ anzubieten. Anfangs in der vorgegebenen Dosierung, bis die Pferde anfangen, das Mineral zu verweigern.

Danach kann es dem Pferd in der Regel zur freien Verfügung gegeben werden, weil dann die Mineralspeicher voll sind und weiteres Mineral nur nach Bedarf aufgenommen wird.

Zu bestellen bei www.OKAPI-online.de

 

Sollten Sie noch weitere Fragen zu Mineralfutter und Tagesdosierungen von Mineralien haben, so erhalten Sie kompetente Fachberatung durch unser Team bei futterberatung@sanoanimal.de oder unter unserer Beratungshotline (werktags von 9 Uhr bis 18 Uhr) für Deutschland: 0900 – 16 00 101 (0,89 EUR/Minute für Anrufe aus dem Festnetz // 1,99 EUR/min aus dem Mobilfunk).

 

*Post Scriptum zum Thema Selen: 

Noch ein Wort zum Selen, das immer wieder im Zusammenhang mit Mineral- und entsprechend aufkonzentrierten Zusatzfuttern angesprochen wird. Die Zufütterung von Selen ist grundsätzlich kritisch zu sehen, da der Plasma-Wert von Selen keine Aussage über den Versorgungszustand im Gewebe erlaubt.

Im Gegenteil kann durch Selenzufütterung (über die normalen Mengen aus Grundfutter und Mineralfutter hinaus) der Entstehung von gesundheitlichen Problemen wie Insulinresistenz, EMS oder Pseudo-Cushing Vorschub geleistet werden.

 

Foto: magicpen / pixelio.de

Ein Gedanke zu „Was ist besser für mein Pferd: organische oder anorganische Mineralstoffe?

  1. Danke für diese gute Übersicht! Es ist immer echt schwer zu erklären, warum Pferde nicht nur mit „natürlicher“ Nahrung auskommen und ich werde jetzt immer auf diese Seite verweisen. =)

    Marie

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