Diabetes bei Pferden – Was steckt dahinter?

Noch vor wenigen Jahren hieß es in der veterinärmedizinischen Literatur: „Diabetes ist beim Pferd unbekannt!“ – bis die ersten Pferde mit Diabetes auftauchten. Hier muss man allerdings deutlich unterscheiden zwischen der Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2.

Der Typ 1 (früher auch „juveniler Diabetes“ genannt) zeichnet sich aus durch eine Zerstörung der Insulin produzierenden Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse. Sind diese zerstört, wird kein oder nur zu wenig Insulin hergestellt. Die Folge davon ist, dass der Blutzucker nicht mehr ausreichend reguliert werden kann. Dieser Typ 1 Diabetes ist beim Hund oder bei der Katze bekannt, aber tatsächlich beim Pferd nicht zu finden.

Was aber in den letzten zehn Jahren gehäuft auftritt sind Pferde mit Diabetes Typ 2, der auch als Insulinresistenz bezeichnet wird. Lange Zeit wurde dieses Krankheitsbild sehr kontrovers diskutiert, bis es schließlich als Tatsache akzeptiert werden musste: Ja, Pferde können Diabetes haben, aber bisher sind nur Fälle von Typ 2 bekannt, also Insulinresistenz.

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Was heißt das?

Frisst das gesunde Pferd sein Futter, so steigt nach der Verdauung von Zucker, Stärke, Cellulose oder Pektin der Blutzuckerspiegel an. Der Unterschied zwischen diesen Nährstoffen liegt in der Geschwindigkeit, mit der der Spiegel ansteigt: bei Zucker und Stärke sehr schnell und steil, denn diese werden schon im Dünndarm aufgeschlossen.

Bei Cellulose und Pektinen dauert die Verdauung länger, denn sie findet mit Hilfe von Mikroorganismen im Dickdarm statt. Diese Zuckermoleküle kommen also eher langsam ins Blut. Steigt der Blutzuckerspiegel an, dann schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Dieses bindet an spezielle Rezeptoren der Leber- und Muskelzellen. Die Leberzellen nehmen daraufhin Zucker auf, wandeln es in die Speicherform Glycogen um und – wenn die Glycogenspeicher voll sind – auch in Fett, das dann im Fettgewebe eingelagert wird.

Die Muskelzellen nehmen ebenfalls Zucker aus dem Blut auf und wandeln ihn in Glycogen um. Im Gegensatz zur Leber stoppt hier aber die Aufnahme, sobald die Glycogenspeicher voll sind. Wird Zucker als Energielieferant verbraucht, z.B. durch körperliche Arbeit, so sinkt der Gehalt an Zucker und Glycogen im Muskel. Die Muskelzellen nehmen daraufhin noch weiter Zucker aus dem Blut, bis der Blutzuckerspiegel unter ein kritisches Niveau abgesunken ist.

Jetzt schüttet die Bauchspeicheldrüse Glucagon aus. Es bindet an Rezeptoren der Leber und diese wandelt Glycogen zurück um in Zucker und gibt diesen an den Blutstrom ab. So wird der Blutzuckerspiegel innerhalb enger Grenzen konstant gehalten.

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Beim artgerecht ernährten Pferd ist der Stoffwechsel im Wesentlichen auf die langsam verdaulichen Strukturkohlenhydrate wie Cellulose oder Hemicellulose ausgelegt, die entsprechend verzögert in das Blut eintreten. Zucker und Stärke spielen in der natürlichen Ernährung eine untergeordnete Rolle.

Das ändert sich jedoch drastisch mit der Ernährung durch den Menschen. Hier werden oft sehr große Mengen Kraftfutter gegeben, immer nach dem Motto „ich esse drei Mahlzeiten pro Tag, also braucht mein Pferd auch dreimal täglich die Krippe voll.“

Die meisten Mischfutter enthalten dabei auch noch thermisch aufgeschlossene Getreide, bei denen die komplexen Stärkemoleküle durch Hitzebehandlung schon zerstückelt sind, sodass die Zucker aus dieser Stärke noch schneller in das Blut gehen.

Auf solche schnellen und häufigen Blutzuckerschwankungen ist der Organismus Pferd jedoch nicht ausgelegt. Das Pferd benötigt normalerweise im Schnitt etwa sechs Stunden nach einer Zuckergabe (= Kraftfutter), um wieder auf seinen normalen Blutzuckerspiegel zurück zu kommen. Da ist schon längst die nächste Mahlzeit im Trog. Die Folge: Blutzucker und Insulinspiegel kommen gar nicht mehr in den Normalbereich zurück. Das führt langfristig dazu, dass die Rezeptoren der Muskel- und Leberzellen ihre Empfindlichkeit für Insulin zurück fahren –denn das ist ja ständig vorhanden. Eine Insulinresistenz ist die Folge.

Nun gibt es aber Pferde, die nie in ihrem Leben ein Müsli bekommen haben und trotzdem insulinresistent sind. Geht man in der Anamnese dieser Pferde zurück, so wurde in den meisten Fällen ein Selenmangel im Blutbild diagnostiziert. Daraufhin haben diese Pferde ein konzentriertes Selenpräparat erhalten, um den offensichtlichen Mangel auszugleichen.

Leider ist mittlerweile in Fachkreisen bekannt, dass die meisten Labore viel zu hohe Grenzwerte verwenden. Laut Studien sind untere Grenzwerte zwischen 28 und 40µg/l völlig normal, nicht 100µg/l, wie von den meisten Laboren verwendet.

Dazu kommt, dass ebenfalls bekannt ist, dass der Selen-Plasmawert, der im Blutbild bestimmt wird, keine Aussage über den Versorgungszustand im Pferd zulässt. Bei den meisten Blutwerten dient das Gewebe als Puffer, damit der Blutwert konstant gehalten werden kann. Sinkt z.B. der Calcium-Spiegel im Blut, wird Calcium aus dem Knochen entnommen, um den Blutwert zu normalisieren.

Das ist beim Selen genau umgekehrt: Benötigt das Gewebe Selen, wird es zuerst aus dem Blut entnommen. Füttert man jetzt Selen zu, werden erst alle Gewebe aufgefüllt (teilweise bis in den toxischen Bereich) und erst zum Schluss verändert sich der Plasmawert.

Daher ist es gefährlich, aufgrund eines – häufig sogar aufgrund falscher Grenzwerte fehldiagnostizierten – Selenmangels im Blutplasma ein Selenpräparat zuzufüttern. Denn wenn sich das Selen im Gewebe anreichert, greift es unter anderem in das Insulinsignal in der Zelle ein und stört die Verbindung zwischen Rezeptor und der Eintrittspforte für das Zuckermolekül in die Zelle. Auch hier entsteht das Symptombild einer Insulinresistenz.

Diese Diabetes Typ 2 aufgrund von Selen-Gabe über das physiologische Maß der natürlichen Ernährung hinaus ist beim Menschen zigfach untersucht und beschrieben worden. Hier wird mittlerweile deutlich vor der Einnahme von Selenpräparaten gewarnt. Leider hat sich das noch nicht bis in den Veterinärbereich herumgesprochen.

 

Die betroffenen Pferde müssen also wieder sensitiv werden für das Insulin, um ihren Stoffwechsel normalisieren zu können und weiter reichende Organschäden abzuwenden.

In der Therapie von Insulinresistenz haben sich verschiedene Mikronährstoffe bewährt, zum Beispiel bioverfügbares Chrom aus speziell dafür gezüchteten Chromhefen ebenso wie Grapefruitkernextrakt und bestimmte, organische Magnesium- und Kaliumverbindungen.

Aus der Naturheilkunde sind darüber hinaus einige pflanzliche Wirkstoffe bekannt, die bei Diabetes Typ 2 eine Besserung bringen, beispielsweise der in Südamerika sehr beliebte Mate.

pankrems_forteAus diesem Grund empfehlen wir für Pferde mit Insulinresistenz OKAPI PankrEMS forte, das speziell auf diese Nährstoffe setzt, um betroffene Pferde zu unterstützen, zurück in ihr Gleichgewicht zu kommen.

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Foto Pferde: Carsten Przygoda und www.JenaFoto24.de/pixelio.de

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