Archiv der Kategorie: Gesundheit der Pferde

Keine Angst vor dem Pferdezahnarzt !

Probleme bei Pferdezähnen – und die Auswirkungen auf Pferdestoffwechsel und -muskulatur

Spannende Erkenntnisse und Forschungsergebnisse vom jährlichen Treffen der Internationalen Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne eV. (IGFP)

Ein Bericht von Dr. Christina Fritz, Team SANOANIMAL

Vergangenes Wochenende fand wieder der jährliche IGFP Kongress (Internationale Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne e.V.) statt. Es waren wieder etwa 270 Pferdedentalpraktiker aus aller Welt dabei und eine Reihe von spannenden Vorträgen und Postern zum aktuellen Stand der Forschung wurden präsentiert.

Besonders spannend aus meiner Sicht fand ich den Vortrag von Lecollinet, der die Zusammenhänge zwischen Zähnen, Kiefergelenk und Hinterhand dargestellt hat. Hier wurden anschaulich die biomechanischen Zusammenhänge dargestellt, warum Zahnprobleme (insbesondere am 6. bzw. 11. Backenzahn) nicht nur zu Kiefergelenksblockaden und damit zu Genickblockaden führen, sondern über die Muskelketten auf das Becken übertragen werden. Man sollte also bei Taktunreinheiten oder mangelnder Hinterhandaktivierung immer auch die Zähne in die Betrachtung mit einbeziehen und nicht nur die Gelenke und Muskeln.

Dazu passend dann auch ein Vortrag von Krajewski, bei dem die Kraftübertragung vom Zügel über das Gebiss auf das Genick untersucht wurde. Hier konnte in ausgeklügelten Messungen gezeigt werden, dass weder die Wassertrense, noch Hebelgebisse wie die Kandarre, zu einer Vervielfachung der aufgewendeten Kraft mit Wirkung auf das Genick führen – im Gegensatz zu dem, was immer wieder im Internet behauptet wird. Es kann – je nach Gebiss, Kopfhaltung und Dynamik der Bewegung zu einer Kraftübertragung von 1 – 1,5 kommen, aber nicht darüber hinaus.

 

Spannend war auch ein Vortrag von Schulz-Komas, bei dem die Zahnabnutzung bei wild lebende Equiden (Zebras, Esel, Pferde) mit in Gefangenschaft lebenden verglichen hat.  Hierbei kam raus, dass in Gefangenschaft die Abnutzung geringer ist – vermutlich weil hier der Holzfaseranteil deutlich geringer ist als in freier Wildbahn.

Außerdem haben die in Gefangenschaft lebenden Wildequiden eine deutlich höhere Neigung, Zahnhaken auszubilden, was vermutlich mit der Art der Futtersuche (Heuballen im Vergleich zu Gestrüpp suchen und knabbern) und der Höhe der Futteraufnahme zusammen hängt.

Wieder einmal eine Bestätigung dafür, dass das Pferdegebiss kein Fehlgriff der Evolution ist, sondern die Notwendigkeit der Zahnbearbeitung mit unseren Haltungs- und Fütterungsbedingungen zusammen hängt.

 

Hervorzuheben ist meines Erachtens auch ein Poster von Maleh und Immel, bei dem die Wirkung eines therapeutischen Lasers bei der Behandlung von Fistelkanälen in der Maulhöhle untersucht wurde.

Die positive Wirkung von Therapielasern bei der Wundheilung, insbesondere bei großen, zerklüfteten oder Taschenbildenden Wunden, ist schon lange bekannt und beschrieben worden. Fisteln in der Maulhöhle stellen ein besonderes Problem dar, weil sie meist tief in das Zahnfleisch oder bis in den Knochen hinein reichen, nicht steril zu halten sind und damit oft rezidiv eitern. Starke Antibiotika sind oft notwendig, um diese zur Ruhe zu bringe, was sich natürlich negativ auf die Darmflora auswirkt.

Durch die Injektion von Tuloidinblau in den Fistelkanal und anschließende Therapielaserbehandlung konnte die Abheilung beschleunigt werden, ohne dass Antibiotika eingesetzt werden mussten. Gerade bei Patienten mit EOTRH oder bei notwendigen Zahnextraktionen kann dies eine sinnvolle Alternative zur Antibiose sein, um zukünftig Resistenzen zu vermeiden.

Auch das eine Technik, die man in Betracht ziehen sollte, wenn ein Pferd mit solchen Problemen zu tun hat.

 

Aus der Industrieausstellung besonders interessant war ein mobiler Inhalator der Firma iHr Medizingeräte. Ich habe mit Pferdeklinikbesitzern gesprochen, die das Gerät seit langem im Einsatz haben und alle durchweg begeistert sind.

Das Gerät ist extrem robust, simpel zu bedienen, einfach zu reinigen und kann (im Gegensatz zu den meisten Inhalatoren) praktisch alles vernebeln, inkl. hochprozentiger Kochsalzlösung und ACC, was ja gerade bei chronischen Hustern so wichtig ist. Dadurch dass man währenddessen nicht neben der Steckdose stehen muss, sondern beim Inhalieren mit dem Pferd spazieren gehen oder es in die Führanlage stellen kann, kommt es zu einer wesentlich tieferen Atmung als im Stand, sodass das Inhalat auch dahin kommt, wo es hingehört und nicht im Inhalator als „Suppe“ stehen bleibt.

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Man kann das Gerät direkt bei der Firma leihen für 8,50 Euro pro Tag, was eine gute Alternative zum Kauf ist, insbesondere wenn man nur mit einem hartnäckigen Erkältungshusten zu tun hat, es also nur für 10-14 Tage benötigt. Für Besitzer chronischer Huster lohnt sich sicher ein Kauf. Das Gerät ist mit etwas über 800 Euro nicht gerade ein Schnäppchen, aber seinen Preis definitiv wert.

(Anmerkung für unsere kritischen Leser: dies ist weder bezahlte Werbung noch werden wir von der Firma in irgendeiner Weise für diese Darstellung vergütet; wir berichten über solche Produkte, weil wir von Nutzen und Wirkweise überzeugt sind; Anm.d.R.).

 

Meine beiden Vorträge „EMS, Pseudo-EMS, Cushing, Pseudo-Cushing, Insulinresistenz – das „was ist was“ der modernen Zivilisationskrankheiten“ sowie „Haltungs- und Fütterungsmanagement bei alten Pferden“ wurden von den IGFP Besuchern sehr positiv aufgenommen und führten zu vielen interessanten Diskussionen.

Viele meiner Beobachtungen zu EMS oder Cushing-Patienten wurden mir auch hier von anderen Fachleuten aus der Praxis bestätigt und es entstanden eine Reihe von anregenden Diskussionen mit neuen Ideen, solche Erkrankungen zu behandeln oder zu vermeiden.

Ein reger Austausch zum Management alter Pferde („Senioren“) – sowohl aus Sicht der Fütterung als auch der Zahnheilkunde – hat mir wieder neue Erkenntnisse gebracht und ich denke, auch den einen oder anderen Dentalpraktiker zum Nach- und Umdenken angeregt.

Darüber hinaus gab es natürlich eine ganze Reihe von spannenden Vorträgen und Falldokumentationen, die aber meist sehr speziell auf Dentalpraktiker zugeschnitten waren.

Die kompletten Vorträge kann man bei Interesse nachlesen im Kongressband, der unter der ISBN Nummer 978-3-00-048565-7 bzw. direkt bei der IGFP bezogen werden kann (www.igfp-ev.de).

 

Fotos: oben – R K by später / pixelio.de; unten – http://www.nortev.de/

Probleme mit Fell, Haut oder Hufen bei Schwefelmangel?

Lange Zeit wurde immer das Spurenelement Zink in den Fokus gerückt, wenn es um Probleme mit dem Fell, der Haut oder den Hufen ging. Neue Studien zeigen aber, dass nicht nur Zink-, sondern oft auch Schwefelmangel mit beteiligt ist an Problemen in diesem Bereich.

Dieses Spurenelement wurde bisher kaum beachtet, unter anderem weil es im Blutbild nicht untersucht wird. Jetzt liegen neue Studienergebnisse vor, die zeigen, dass Pferde mit chronisch entzündlichen Prozessen im Darm einen deutlichen Schwefelmangel mit allen entsprechenden Folgesymptomen entwickeln (für Interessierte unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed ).

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Wenn dieses Spurenelement fehlt, kommt es unter anderem zur Fehlbildung von Aminosäuren. So wird bei der Bildung der Aminosäure Cystein jetzt Selen statt Schwefel eingebaut. Dieses Selenocystein hat aber andere biochemische Eigenschaften als das normale, schwefelhaltige Cystein. Dieses wird zum Beispiel benötigt bei der Bildung der schützenden Schleimschicht in den Atemwegen. Schwefelhaltige Aminosäuren spielen außerdem eine zentrale Rolle bei allen hornbildenden Prozessen.

Liegt ein unerkannter Schwefelmangel vor, kann es also nicht nur zu einem im Blutbild sichtbaren Selenmangel kommen, sondern auch zu gesundheitlichen Problemen…

…der Atemwege (COPD, „Heustauballergie“),

…zu Symptomen an den Hufen (schlechte Hornqualität, langsames Wachstum…),

…dem Fell (schlechter Fellwechsel, dünnes Haar)

…oder der Haut (Neigung zu Ekzemen oder Mauke).

 

Mit der Optimierung der Fütterung und Sanierung des Darmmilieus arbeiten wir bei SANOANIMAL stets daran, entzündliche Prozesse der Darmschleimhaut zu stoppen und hier die Regeneration zu aktivieren.

Mit dem neuen OKAPI Schwefel Plus unseres Partners OKAPI können wir jetzt auch aktiv das Pferd unterstützten, wieder zurück in einen normalen Schwefel-Stoffwechsel zu kommen.

OKAPI Schwefel Plus enthält organisch gebundenen Schwefel, der nachweislich hoch bioverfügbar ist. Das äußert sich bei den Pferden innerhalb weniger Wochen in einer erheblich besseren Hornqualität im Saumbereich, Hautprobleme beruhigen sich, der Fellwechsel fällt leichter und es wächst eine dichtere Mähne bzw. Schweif nach. Bei chronisch hustenden Pferden ist außerdem häufig eine deutlich verbesserte Atemwegssymptomatik zu verzeichnen.

Wir empfehlen OKAPI Schwefel Plus nach Absprache mit dem behandelnden Tierarzt oder Therapeuten gezielt einzusetzen…

…bei Pferden mit chronischen Atemwegsproblemen, Hufrehe, Sommerekzem, Mauke / Raspe,

…bei Pferden, die Schwierigkeiten mit dem Fellwechsel oder der Mähnen- und Schweifbildung zeigen,

,,,bei Pferden, die zu Juckreiz oder trockener, schuppiger Haut neigen.

 

OKAPI Schwefel Plus wird von Pferden mit Mangelsymptomatik in der Regel gut akzeptiert und kann ansonsten problemlos in eingeweichte Esparsette, Heucobs oder etwas Mash eingerührt werden.

 

Foto: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de

Selenmangel – eine weit verbreitete Pferdekrankheit

Risiken und Nebenwirkungen der Selenfütterung

Selen – ein verbreitetes Spurenelement

Je nach Region findet man unterschiedliche Selen-Konzentrationen im Boden. Dazu kommt, dass verschiedene Pflanzen unterschiedlich stark Selen aus dem Boden aufnehmen. Es kommt also nicht nur auf die Bodenwerte an, sondern auch auf den Bewuchs, wenn man über die Selenversorgung spricht.

Es gibt so genannte Selenanzeigerpflanzen, die bevorzugt in selenreichen Gebieten wachsen und Selen in ihrem Pflanzenkörper anreichern. Dazu gehören Astragalus membranaceus, die aus dem Nordosten Chinas und der Mongolei stammt, mittlerweile aber auch erfolgreich im angeblich selenarmen Bayern kultiviert wird.

Aber auch Pflanzen aus der Gattung der Xylorhiza und der Oonopsis (Asterngewächse), die in Nordamerika beheimatet sind gehören dazu. Man hat beobachtet, dass Pferde diese Als Spurenelement wird Selen vom Körper in kleinen Mengen benötigt, um lebensnotwendige Stoffwechselvorgänge betreiben zu können. Foto: Christiane SlawikPflanzen beim Grase vermeiden und stattdessen das in denselben Regionen wachsende, trockene Steppengras bevorzugen.

Als Spurenelement wird Selen vom Körper in kleinen Mengen benötigt, um lebensnotwendige Stoffwechselvorgänge betreiben zu können. Im Übermaß wirkt Selen jedoch sehr schnell giftig.

Ein Übermaß ist laut Untersuchungen schon erreicht bei 2 mg Selen pro Kilogramm Futtertrockensubstanz. Auf 10 kg Tagesfutterration eines durchschnittlichen Pferdes gerechnet sprechen wir also hier über 20 mg Selen pro Pferd und Tag, die schon als kritisch anzusehen sind. Zum Vergleich: das Spurenelement Zink erreicht einen toxischen Bereich, wenn man etwa 1.000 mg pro Pferd und Tag gibt – hier ist das therapeutische Fenster also viel größer.

Aber wie viel Selen sollte denn ein Pferd jetzt täglich bekommen?

Die derzeitige gängige Futterempfehlung spricht von 0,1 – 0,2mg Selen / kg Futtertrockensubstanz, die ein Pferd bekommen sollte, also 1-2mg pro Pferd und Tag. Allerdings haben Analysen von über 300 Grasproben aus verschiedenen deutschen Bundesländern gezeigt, dass das Grundfutter im Bereich von 0,011 – 0,123mg Selen / kg Futtertrockensubstanz liegt. Mit diesem „selenarmen“ Grundfutter sind jahrhundertelang gesunde und leistungsfähige Pferde gezüchtet und gehalten worden.

Hatten die Pferde in den letzten Jahrhunderten alle unerkannten massiven Selenmangel? Oder reden wir heute einen Selenmangel beim Pferd herbei?

Der ganze Artikel ist erschienen im aktuellen NATURAL HORSE und kann hier komplett gelesen werden: SELENMANGEL – EINE WEIT VERBREITETE PFERDEKRANKHEIT

 

Foto: Christiane Slawik

Was bedeutet dieses ungewöhnlich warme Wetter im Januar für unsere Pferde?

Am kommenden Wochenende soll es bis zu 16°C warm werden, die Pferde haben aber noch ihren dicken Winterpelz. Das belastet Herz und Kreislauf, es besteht potentiell Kolikgefahr.

Vorsorglich raten wir dazu, Crataegutt und löslichen Kaffee in der Stallapotheke zu haben. Zeigt das Pferd Koliksymptome – Tierarzt rufen, dann Schleimhäute prüfen!

Sind die Schleimhäute blass und die kapiläre Rückfüllzeit ist verzögert: als Sofortmaßnahme Crataegutt Tropfen geben sowie 1 TL löslichen Kaffee auf die Maulschleimhaut reiben. Das Coffein bringt den Kreislauf in Schwung.

Außerdem vorsorglich morgens und abends Mash geben. Dafür 2 Teile Weizenkleie, 1 Teil Quetschhafer, 1/2 Teil gekochten Leinsamen und 1 EL Salz (ohne Jod oder Fluor!) mit reichlich warmen Wasser oder einem Anis-Kümmel-Fenchel Tee aufgießen und quellen lassen vor dem Füttern. Eine Handvoll Bitterkräuter dazu wäre auch gut. Dazu ständig Heu zum knabbern. Das sollte die Pferde über das Wochenende bringen, ab Montag wird es wieder Winter! 

In der Hoffnung auf baldigen Schnee
Euer Sanoanimal Team

Kotwasser durch Stress – wie kann das denn sein? Teil 2

Hat Ihr Pferd auch Kotwasser? Dann sind Sie nicht allein. Es trifft jetzt wieder reihenweise Pferde. Warum ausgerechnet im Winter? Hinter dem Kotwasser steckt in aller Regel eine entzündete Darmschleimhaut. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. In den meisten Fällen lassen sie sich aber auf zwei Faktoren zurückführen: Stress oder Fütterung.

Stress führt zu einer Minderdurchblutung der Darmschleimhaut. Dadurch ist diese schlecht geschützt und es kann leicht zu Entzündungen kommen, insbesondere wenn die Fütterung noch dazu nicht optimal ist. Aber hat denn mein Pferd wirklich Stress, wenn es keine Turniere geht und eigentlich nur den ganzen Tag in seiner Offenstallgruppe herumsteht?

Stress für das Pferd muss für den Menschen nicht offensichtlich sein. Natürlich ist das Pferd ein soziales Tier und braucht den Kontakt zu Artgenossen. In der freien Wildbahn ist eine Herde aber eine gewachsene Familie – die Fohlen wachsen in einer festen Gruppe auf und kennen daher die Besonderheiten jedes Pferdes und die Verhaltensregeln. Die Gruppe gibt Entspannung und Sicherheit. Unsere Gruppenhaltung ist aber nicht mit der natürlichen Wildpferdeherde zu vergleichen: wir stecken wildfremde Pferde in eine Gruppe, oft ganz unterschiedliche Rassen (die tatsächlich unterschiedliche Sprachen sprechen – Pferde sind Rassisten!), ganz unterschiedliche Altersgruppen und kaum ist mal ein bisschen Ruhe eingekehrt, zieht ein Pferd aus oder ein neues ein und schon wird die ganze soziale Ordnung wieder durcheinander gebracht. Trotzdem erwarten wir, dass sich alle prima verstehen. Wie fühlen Sie sich denn nach so einem Tag in der Bahn oder im Großraumbüro, wo Sie mit wildfremden Menschen unterschiedlicher Sprache und Verhaltensweise zusammen waren und irgendwie auskommen mussten?

Besonders häufig ist Stress daher tatsächlich zu beobachten in Offenställen. Aber auch Boxenhaltung (ob mit Paddock-Balkon oder ohne) ist nicht ganz ohne Stress für das Pferd – denn das Pferd ist ein Steppentier, kein Höhlenbewohner. Wie oft giftet denn Ihr Pferd zu seinem Nachbarn oder umgekehrt? Wie verspannt ist es nach einem Tag in der Box, dass es sich erstmal „ausbuckeln“ muss?

In der Weidesaison ist das Leben noch wesentlich stressfreier – die Pferde verbringen den ganzen Tag draußen, können über ihre Bewegung Stress abbauen und haben genügend Platz, um einander auszuweichen. Werden dann die Weiden geschlossen, können sich die Pferde nicht mehr ausweichen – sie sind auf engem Raum zusammen, egal ob mit einer Boxenwand dazwischen oder im Offenstall. Pferde sind Bewegungstiere, jede Art von Platzmangel oder eingegrenztem Horizont macht schon Stress.

In Gruppenhaltung gelangen dazu rangniedrige Pferde oft nicht ausreichend an das Raufutter und bekommen in vielen Fällen nicht ausreichend Nachtschlaf, weil die Gruppe zu unruhig ist. Aber auch wenn ein Pferd weiter oben in der Rangordnung ist, kann es damit Stress haben – denn es muss seine Position ja ständig verteidigen. Das gilt insbesondere bei häufigem Wechsel in der Gruppe und wenn kein souveräner Herdenchef vorhanden ist. Mangelndes Raufutter ist auch bei Boxenhaltung ein hoher Stressfaktor, sind die Pferde doch ständig auf Futtersuche, weil der Bauch zwickt. Da tritt man schon mal wütend gegen die Wand zur Nachbarbox. Abhilfe beim Stress schaffen vor allem drei Faktoren:

  • weniger Pferde oder mehr Platz pro Pferd (was sich nicht immer so leicht realisieren lässt), aber gerade im Winter sollte man auf große Tages-Ausläufe, optimal im Paddock Trail System achten
  • mehr Raufutter und vor allem mehr Fressplätze, sodass die Pferde ausweichen können – Heunetze verlängern die Fresszeiten, sodass über 24h gefüttert werden kann, mehrere Heustationen auf dem Trail sorgen für natürliche Bewegung beim Fressen
  • mehr ordentlich eingestreute Liegefläche

Gerade zum letzten Punkt wird bei Offenställen viel gestritten. Aber aktuelle laufende Untersuchungen zeigen ganz klar, dass zu kleine eingestreute Liegebereiche deutlich das Stresslevel in Gruppenhaltung steigern. Gleiches gilt für Boxen, in denen sparsam eingestreut wird: Würden Sie selber auf der fäkalienverschmierten Gummimatte oder auf dem hauchdünnen Sägemehl über Beton schlafen wollen? Pferde sind sehr reinliche Tiere, es ist für sie eine Zumutung, in ihrem eigenen Mist zu fressen und zu schlafen. Und auch wenn sie im Stehen dösen können – es geht nichts über zwei bis drei Stunden tiefen, ungestörten Nachtschlafs, um am nächsten Tag wieder entspannt und leistungsbereit zu sein. Daher ist eine großzügige Einstreu wichtig auch für die Psychohygiene.

Verbringen Sie mal einen Tag im Stall und beobachten Sie die Pferde. Sie werden sehen: Die haben mehr Stress, als man so denkt.

Gerne unterstützen wir Sie hier mit einem für Ihr Pferd passenden Fütterungsplan und empfehlen auf Ihr Pferd abgestimmte, unterstützende Maßnahmen.

Bitte kontaktieren Sie uns unter futterberatung@sanoanimal.de

Wenn es wieder läuft: Kotwasser am Ende der Weidesaison – Teil 1

Mit dem Ende der Weidesaison beginnt bei vielen Pferden wieder die Kotwassersaison. Während das Pferd bei Durchfall Kuhfladen-ähnliche Haufen absetzt, sind bei Kotwasser die Pferdeäpfel geformt.

Aber während oder nach dem Kotabsetzen oder auch völlig unabhängig davon, wird braune Flüssigkeit abgesetzt. Kotwasser ist sauer und damit aggressiv gegen die Haut. Wäscht man das Pferd nicht regelmäßig, so ist das nicht nur optisch unschön, sondern kann auch zu Haut erkrankungen im betroff enen Bereich führen. Gerade im Winter stellt damit Kotwasser natürlich ein Problem dar, da man  einem Pferd bei Minusgraden nur ungern Schweif und Hinterhand wäscht.

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Entzündungen werden meist verursacht durch Fehlgärungsprozesse im Dickdarm. Die Ursachen sind entweder in den Haltungs- oder den Fütterungsbedingungen zu suchen. So konnte in einer Studie gezeigt werden, dass Stress allein schon ausreicht, um Kotwasser auszulösen. Stress führt zu einer verringerten Durchblutung der Darmschleimhaut. Das verlangsamt die Peristaltik und so kann es zu Fehlgärungen kommen.

Aber auch der Aspekt Fütterung spielt eine große Rolle. Unverträgliche Futtermittel wie Heulage, Silage oder Maissilo spielen hier ebenso eine Rolle wie „Strukturmüslis“. Silierte Futtermittel tragen einen großen Anteil von Milchsäurebakterien in den Dickdarm ein, die dort bei einem gesunden Pferdedarm nicht vorkommen. Sie produzieren Milchsäure, die den Darm ansäuert. Dadurch sterben natürliche Darmsymbionten ab und der ganze Fermentierungsprozess läuft aus dem Ruder.

Gehäckseltes Raufutter, wie es in Strukturmüslis, getreidenfreien Müslis oder Kräutermüslis verwendet wird, verlangsamt die Peristaltik ebenfalls, da es in der Regel nicht gründlich gekaut wird. Jede Störung der Verdauungsgeschwindigkeit kann zu Fehlgärungen führen. Bei diesen Fehlgärungsprozessen entstehen in großem Stil flüchtige Fettsäuren, vor allem Essigsäure, Buttersäure und Propionsäure. Diese greifen nachweislich die Darmschleimhäute an. Es kommt zu Entzündungen der Darmschleimhäute und damit weiterer Störung des normalen Verdauungsprozesses.

Bleiben die Entzündungen über einen längeren Zeitraum bestehen, lockern sich die Zellverbände der Darmschleimhaut und es entstehen „Löcher“, die vom ohnehin schon überlasteten Immunsystem nicht ausreichend repariert werden können. Durch solche Löcher kann es zum Einsickern von Lymphflüssigkeit in den Darm kommen, das wir optisch als Kotwasser sehen.

Auch wenn die ursprüngliche Ursache schon lange zurück liegt, zum Beispiel ein Winter mit Heulagefütterung vor drei Jahren, kann die Verdauung heute noch gestört sein. Da hilft dann oft auch die perfekte Fütterung und Haltung zunächst nicht viel. Denn kommt es erst einmal zu einem massiven Besatz des Darms mit den falschen Keimen, so kommen die
Pferde häufig aus dem Teufelskreis aus Darmstörung und Kotwasser nicht mehr von alleine heraus.

Auch wenn Ihr Pferd nur in bestimmten Situationen, zum Beispiel beim Verladen oder wenn der Schmied kommt mit Kotwasser reagiert, oder wenn es nur im
Winter auftritt, spricht das für bereits bestehende Verdauungsprobleme im Dickdarm.

Diagnostisch sind solche Fehlgärungen nachweisbar über den Indikan-Wert. Fordern Sie hierfür ein Urinröhrchen beim Labor an (z. B. www.sension-gmbh.de) und lassen Sie den Indikan-Wert bestimmen.

Ist dieser bei 0, dann läuft der Fermentierungsvorgang im Dickdarm normal. Ist er bei 1, sollte die Fütterung optimiert und der Darm gegebenenfalls mit naturheilkundlichen Mitteln unterstützt werden, damit die Fermentierungsprozesse sich schnellstmöglich wieder stabilisieren.

Liegt der Indikan-Wert zwischen 2 und 4, dann sind deutliche Veränderungen in der Fütterung und eventuell der Haltung angezeigt sowie den Darm sanierende Maßnahmen. Hier muss mit längeren Therapiezeiten gerechnet werden, weil häufig auch neben dem Kotwasser schon andere erste Symptome auf eine Entgleisung von Stoffwechselprozessen hinweisen.

Gerne unterstützen wir Sie hier mit einem für Ihr Pferd passenden Fütterungsplan und empfehlen auf Ihr Pferd abgestimmte, unterstützende Maßnahmen.

Bitte kontaktieren Sie uns unter futterberatung@sanoanimal.de

Neben dem Indikan-Wert sollten Sie uns ausführlich die „Geschichte“ Ihres Pferdes mitteilen: Haltungs- und Fütterungsbedingungen der letzten Jahre, Krankheitsgeschichte und auch die sozialen Interaktionen mit den Artgenossen, da hier viel Potential für Stress-Kotwasser liegt. Eine Übersicht der Informationen, die wir generell benötigen, finden Sie hier.

 

TEIL 2 DES BLOGS WIRD IN DEN NÄCHSTEN TAGEN GEPOSTET.

 

Foto: Mandy Graupner/pixelio.de

Inhalation unterstützt das Lösen von verschleimten Atemwegen

Bei schweren Infekten mit Verschleimung der Atemwege sollten Sie zusätzlich inhalieren. Optimal ist ein mobiler Inhalator, den man mittlerweile in vielen Pferdekliniken auch leihen kann. Inhalator drauf, Inhalat (Kochsalzlösung, mind. 7% vom Tierarzt) einfüllen, anschalten und mit dem Pferd losspazieren. Durch die Bewegung atmen die Pferde tiefer, so kommt das Inhalat weit hinunter in die Atemwege und löst auch Schleim in den Bronchien.

Sollten Sie keinen Inhalator haben oder leihen können, gibt es die Lösung „für arme Leute“: Geben Sie kochendes Wasser in einen großen Kübel und normales Kochsalz (ohne Fluor und Jod) dazu, sodass eine 7%ige Lösung entsteht (= 1L Wasser + 70g Kochsalz). Stellen Sie ein Nudelsieb umgekehrt in das Wasser, damit das Pferd nicht versehentlich mit der Nase eintauchen kann. Füllen Sie dann den Kübel mit angefeuchtetem Heu auf und lassen Sie Ihr Pferd fressen.

Wenn es sich das gefallen lässt, dann können Sie noch ein sauberes Geschirrhandtuch mit zwei Wäscheklammern am Nasenriemen des Halfters befestigen, so gelangt noch mehr Dampf in die Nüstern.

Die Atmung ist hier längst nicht so tief wie beim Spaziergang mit Inhalator, aber zumindest Verschleimungen der oberen Atemwege werden so ganz gut in Bewegung gebracht.

Gerne unterstützen wir Sie hier mit einem für Ihr Pferd passenden Fütterungsplan und empfehlen auf Ihr Pferd abgestimmte, unterstützende Maßnahmen.

Bitte kontaktieren Sie uns unter futterberatung@sanoanimal.de

Was ist besser für mein Pferd: organische oder anorganische Mineralstoffe?

Wenn es um Mineralfutter geht, kommt es immer wieder zu Fehlinformationen und Missverständnissen. Man sollte hier ein paar Dinge auseinander halten:

Anorganische Mineralstoffe sind Mineralien, die an anorganische Ionen (Oxide, Sulfate) gebunden sind.

Organische Mineralstoffe sind solche, die an organische Moleküle (meist Aminosäuren, genannt Chelate) gebunden sind.

Anorganische ebenso wie organische Mineralstoffe, die im Futtermittelbereich als Zusatzstoffe verwendet werden, werden allesamt synthetisch hergestellt. Organisch hat zunächst mal nichts damit zu tun, dass es aus einer natürlichen Quelle stammt und anorganisch nichts damit, dass es synthetisch wäre.

In der Natur kommen sowohl anorganische als auch organische Verbindungen vor. Auch in Pflanzen findet man beide Formen. Allerdings ist der Mineralanteil in Pflanzen zu gering, um Pferde ausschließlich pflanzlich mit Mineralstoffen zu versorgen.

Auch Wildpferde nehmen Mineralstoffe in mineralischer (also nicht-pflanzlicher) Form auf nämlich an Leckstellen, die sie gezielt aufsuchen und dort den Erdboden fressen. Man hat diesen Erdboden untersucht und festgestellt, dass diese Erde hochgradig angereichert ist mit Mineralien und Spurenelementen.

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Bei unserer Fütterung ist die Mineralversorgung ausschließlich durch das Grundfutter (Heu, Weidegras) in der Regel nicht ausreichend. Also muss Mineral zugefüttert werden.

Sowohl organische als auch anorganische Mineralstoffe, die dem Futter zugesetzt werden, sind alle synthetisch hergestellt. Dabei können verschiedene chemische Formen unterschiedlich gut verstoffwechselt werden.

Für Zink gilt beispielsweise: Zinkoxid (anorganisch) ist etwa 10-20% bioverfügbar. Zinksulfat (anorganisch) ist etwa 50-65% bioverfügbar. Zinkchelat (organisch) ist etwa 80-95% bioverfügbar. Das gilt aber nur, wenn diese Mineralstoffe _einzeln_ gefüttert werden. In dem Moment, wo man eine Mischung füttert, in der z.B. Zink und Kupfer enthalten sind, sinkt in dem Fall die Zinkverfügbarkeit ohnehin schon um 50%, da Zink und Kupfer um dieselben Eintrittsstellen im Darm konkurrieren. Aus diesem Grund werden in der Regel auch Mengen, die weit über dem Tagesbedarf liegen, den Futtern zugesetzt, damit am Ende die passende Menge im Pferd landet, denn der Rest verbleibt im Darm. 

Füttert man jetzt ein Futter, das ausschließlich organisch gebundene Mineralstoffe enthält, so sind diese synthetisch hergestellt! Diese Mineralstoffe sind aber nicht so gut bioverfügbar, wie man denkt.

Der Grund ist die Konkurrenz der verschiedenen Mineralstoffe und Spurenelemente. Dazu kommt, dass organische Mineralstoffe sehr teuer sind, die Hersteller daher die Dosierung von vornherein schon deutlich herabsetzen, um preislich attraktiv zu bleiben. Damit kommt nochmal weniger im Stoffwechsel des Pferdes an.

Und da diese Chelate allesamt scheusslich schmecken, müssen entsprechende Geschmacksstoffe (Apfeltrester, Sirup, Zucker, Grünmehle und ähnliches) zugesetzt werden, damit die Pferde das „organische Mineralfutter“ fressen. 

Anorganische Mineralstoffe werden von Pferden geschmacklich deutlich besser akzeptiert und können auch ausreichend verstoffwechselt werden, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Im Gegenteil hat man bisher auch für einige organische Mineralstoffe (z.B. Selen) festgestellt, dass die hohe Bioverfügbarkeit von Chelaten in der Praxis mehr schaden als nutzen kann, da der Körper überschüssige Mineralstoffe dann auch nicht mehr adäquat ausscheiden kann.

So geht man heute davon aus, dass es zu einer massiven Selenanreicherung* im Gewebe bis hin zur chronischen, subklinischen Vergiftung kommen kann, wenn man organisches Selen füttert.

mineral_konzentrat_gsAufgrund der Verwendung von anorganischen Mineralstoffen und dem Verzicht auf diverse (teilweise wohlschmeckende) Trägerstoffe empfehlen wir OKAPI Mineralfuttern.

Diese enthalten diese keine „Aromastoffe“ und die Pferde nehmen die Mineralfutter nur nach Bedarf auf – man imitiert also die Mineral-Leckstellen der Wildpferde.

Daher lautet unsere Empfehlung auch, das Futter „nach Bedarf“ anzubieten. Anfangs in der vorgegebenen Dosierung, bis die Pferde anfangen, das Mineral zu verweigern.

Danach kann es dem Pferd in der Regel zur freien Verfügung gegeben werden, weil dann die Mineralspeicher voll sind und weiteres Mineral nur nach Bedarf aufgenommen wird.

Zu bestellen bei www.OKAPI-online.de

 

Sollten Sie noch weitere Fragen zu Mineralfutter und Tagesdosierungen von Mineralien haben, so erhalten Sie kompetente Fachberatung durch unser Team bei futterberatung@sanoanimal.de oder unter unserer Beratungshotline (werktags von 9 Uhr bis 18 Uhr) für Deutschland: 0900 – 16 00 101 (0,89 EUR/Minute für Anrufe aus dem Festnetz // 1,99 EUR/min aus dem Mobilfunk).

 

*Post Scriptum zum Thema Selen: 

Noch ein Wort zum Selen, das immer wieder im Zusammenhang mit Mineral- und entsprechend aufkonzentrierten Zusatzfuttern angesprochen wird. Die Zufütterung von Selen ist grundsätzlich kritisch zu sehen, da der Plasma-Wert von Selen keine Aussage über den Versorgungszustand im Gewebe erlaubt.

Im Gegenteil kann durch Selenzufütterung (über die normalen Mengen aus Grundfutter und Mineralfutter hinaus) der Entstehung von gesundheitlichen Problemen wie Insulinresistenz, EMS oder Pseudo-Cushing Vorschub geleistet werden.

 

Foto: magicpen / pixelio.de